Kategorie: Berichte

  • Die gesundheitlichen Vorteile überwiegen bei weitem die Kosten für Klimaschutz

    Heute wurde in Kattowitz der COP24 Sonderbericht der WHO zu Klimawandel und Gesundheit veröffentlicht.

    Der Sitzungsleiter der 23. UN Klimakonferenz (COP 23) und Premierminster der Fiji Inseln, Frank Bainimarama, hatte in Bonn 2017 die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgefordert, einen Bericht zu Klimawandel und Gesundheit für die COP 24 vorzulegen. Der Bericht entstand in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Fachleuten und Organisationen, die sich mit Public Health und Klimawandel befassen.

    Der Bericht betont die zentrale Bedeutung der Gesundheit für Fortschritte beim Klimaschutz und gibt Politikempfehlungen, wie sich die Gesundheitsvorteile des Klimaschutzes maximieren und die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise auf die Gesundheit vermeiden lassen.

    Wesentliche Punkte des Berichtes sind laut Pressemitteilung der WHO:
    Die Einhaltung der Ziele des Paris Abkommens würde bis zum Jahre 2050 zu etwa eine Million weniger Todesfälle pro Jahr allein durch Abnahme der Luftverschmutzung führen.
    Die Gesundheitsvorteile von Klimaschutz wären nach neuesten Expertenschätzungen global etwa doppelt so hoch wie die Kosten für Klimaschutzmaßnahmen.
    Die Luftverschmutzung verursache weltweit 7 Millionen Todesfälle pro Jahr mit geschätzten US$ 5,11 Milliarden an Wohlstandsverlusten („welfare loss“).
    Bei den 15 Ländern mit den höchsten Treibhausgasemissionen werden die gesundheitlichen Folgekosten der Luftverschmutzung auf mehr als 4 % ihres Bruttoinlandproduktes (GDP) geschätzt, die Kosten von Klimaschutz dagegen auf 1 % des globalen GDP.
    Der Bericht beschreibt, wie Länder inzwischen Maßnahmen zum Schutze der Gesundheit vor den Folgen des Klimawandels ergreifen, die aber bei weitem noch nicht ausreichten. Dies betreffe insbesondere die kleinen Pazifikstaaten und die am wenigsten entwickelten Länder. Nur etwa 0.5 % der verteilten Mittel aus den multilateralen Fonds für Klimaanpassungsmaßnahmen gingen an Gesundheitsprojekte.
    Der Bericht fordert die Länder auf, die Gesundheitskosten in die Kosten-Nutzenbewertung von Klimaschutzmaßnahmen einzubeziehen und über finanziellen Anreize wie einen Preis auf CO 2 oder eine Reform der Energiesubventionen CO 2 Emissionen und Luftschadstoffe zu reduzieren.

    In dem Briefing Paper für die UNFCC Verhandler ist der WHO Bericht kurz und übersichtlich zusammengefasst.

  • PRESSEMITTEILUNG: Lancet Countdown 2018 zeigt: Die Gesundheit von Millionen Menschen weltweit wird durch den Klimawandel bedroht, die Politik muss handeln

    Pressemitteilung von der Health and Environment Alliance (HEAL) und KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit

     

    Gesundheitsexperten fordern stärkere Anstrengung der Bundesregierung für den Klimaschutz

    Lancet-Countdown: Die Gesundheit von weltweit Millionen Menschen wird durch Hitzestress als Folge der Erderwärmung aufs Spiel gesetzt

    Berlin, Brüssel,  29. November 2018 – Neue Forschungsergebnisse, die in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurden, zeigen, dass steigende Temperaturen infolge des Klimawandels die Menschen weltweit einem inakzeptabel hohen Gesundheitsrisiko aussetzen. Die unabhängige, interdisziplinäre Forschungskooperation Lancet Countdown stellte fest, dass, im Vergleich zum Jahr 2000, im letzten Jahr zusätzlich 157 Millionen besonders gefährdete Menschen weltweit unter einer Hitzewelle litten. Dies ist ein Anstieg um 18 Millionen im Vergleich zum Jahr 2016.

    Dr.med. Martin Herrmann, Sprecher Deutsche Allianz Klimawandel & Gesundheit erklärt dazu: „Die Hitzewelle in diesem Sommer hat vielen Menschen zu schaffen gemacht. Diese extremen Temperaturen werden in Zukunft häufiger auftreten. Hitzestress ist besonders eine Bedrohung für ältere Menschen in städtischen Gebieten und für Personen mit Vorerkrankungen. In der europäischen Region ist das Risiko besonders hoch, denn hier sind 42% der Bevölkerung über 65 Jahre alt und die Mehrzahl der Menschen lebt in Ballungsräumen. Zahlen zu Gesundheitsauswirkungen sind für 2018 noch nicht verfügbar, aber allein die Hitzewelle im Jahr 2003 führte zu 70.000 zusätzlichen Todesfällen in ganz Europa.“

    Bei weiter ansteigender Erwärmung könnte laut Lancet Countdown die Sterblichkeit  durch Hitze in der WHO Europa-Region bis 2030 um 30.000 Todesfälle pro Jahr, bis 2080 um bis zu 100.000 Todesfälle pro Jahr zunehmen.

    Der Ständige Ausschuss der Ärzte der Europäischen Union (CPME), ein europäischer Ärzteverband, hat in Zusammenarbeit mit dem Lancet Countdown ein spezielles Briefing für EU- und deutsche Entscheidungsträger entwickelt. Das Briefing enthält sieben Empfehlungen, darunter die Entwicklung nationaler Aktionspläne für Klima, Gesundheit und Wohlbefinden durch die EU-Mitgliedstaaten, die Einbeziehung von Klimawandel und Gesundheit in den Lehrplan für Medizin- und Gesundheitswissenschaften sowie eine konsequente, proaktive Kommunikation der Gesundheitsbehörden und -organisationen zur Beziehung von  Klimawandel und Gesundheit.

    Die deutsche Öffentlichkeit und Entscheidungsträger unterschätzen bislang noch die Auswirkungen des Klimawandels auf die (eigene) Gesundheit und den Gesundheitssektor“, meint Dr.med. Dieter Lehmkuhl, 2.Sprecher der Deutschen Allianz Klimawandel & Gesundheit. „ Die Gesundheitsfolgen müssen in der Klimaschutzpolitik auf allen Ebenen und in allen Sektoren Berücksichtigung finden. Auch der Gesundheitssektor muss seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“

    Außer der Zunahme von Hitzewellen, die eine immer größere Bevölkerungsgruppe treffen, hat das Lancet-ForscherInnenteam auch mangelnde Fortschritte bei der Reduzierung von Treibhausgasen und beim Aufbau von Kapazitäten zur Anpassung an den Klimawandel festgestellt, was sowohl das Leben von Menschen als auch die Funktionsfähigkeit der Gesundheitssysteme gefährdet.

    Der Lancet Countdown richtet auch den Blick auf die Entwicklungen im Energiesektor, welcher sowohl zu Treibhausgasemissionen als auch zur Luftverschmutzung und den damit verbundenen Gesundheitsschäden beiträgt. Der Lancet Countdown stellt fest, dass die Kohlenstoffintensität der Primärenergieversorgung seit 1990 unverändert geblieben ist. Zum ersten Mal ordnet der Bericht vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung verschiedenen Emissionsquellen zu: weltweit ist die Kohleverstromung z.B. für etwa 16% der vorzeitigen Todesfälle durch Luftverschmutzung verantwortlich.

    Kohleverstromung spielt nach wie vor eine wichtige Rolle im europäischen Strommix. In Deutschland kommen 40% des Stroms aus Kohlekraftwerken. Kohleverbrennung befeuert den Klimawandel,  verschlechtert die Luftqualität und gefährdet unsere Gesundheit“, sagt Anne Stauffer, Leiterin für Strategie und Kampagnen der europäischen Gesundheitsorganisation Health and Environment Alliance (HEAL). „Bei den anstehenden UN-Klimaverhandlungen in Kattowitz, Polen, müssen die politischen Entscheidungsträger sich klar und deutlich zu ihren Verpflichtungen für Klimaschutz und saubere Luft bekennen. Die Bundesregierung und die Kohlekommission sollten den neuen Lancet-Bericht ernst nehmen und den schnellen Ausstieg aus der veralteten und gesundheitsschädlichen Kohleverstromung nicht weiter hinauszögern. Der Kohleausstieg ist unerlässlich für den Schutz unserer Gesundheit.

     

    Kontakt für Rückfragen

    Dr.med. Martin Herrmann, Sprecher Deutsche Allianz Klimawandel & Gesundheit, 0179 – 237 4012,

    Dr.med. Dieter Lehmkuhl, 2.Sprecher Deutsche Allianz Klimawandel & Gesundheit,  0157 – 8 760 92 78,

    Anja Köhne, Geschäftsstelle Deutsche Allianz Klimawandel & Gesundheit, 01522 – 1971 906

    Anne Stauffer, Health and Environment Alliance (HEAL), 0162 – 18 66 364

     

    Der Lancet Countdown: Tracking of Progress on Health and Climate Change ist eine globale, unabhängige, interdisziplinäre Forschungskooperation zwischen 27 führenden akademischen Institutionen, den Vereinten Nationen und zwischenstaatlichen Organisationen. Sie stützt sich auf erstklassiges Fachwissen aus den Bereichen Klimaforschung, Ökologie, Mathematik, Geographie, Ingenieurswissenschaften, Expertise für Energie, Lebensmittel, Landwirtschaft und Verkehr, Ökonomie, Sozial- und Politikwissenschaft, öffentlichen Gesundheitswesen und Ärzteschaft. Der Countdown überwacht und berichtet jährlich über die Beziehung zwischen Gesundheit und Klima sowie die Auswirkungen auf nationale Regierungen und fasst Ergebnisse zu  41 Indikatoren in fünf thematischen Hauptgruppen zusammen.

    Der Lancet Countdown 2018 ist abrufbar unter: www.lancetcountdown.org

     

    KLUG Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit  ist ein Bündnis von Organisationen und Einzelpersonen aus dem Gesundheitsbereich, dessen Ziel es ist, den Klimawandel  als  zentrales Gesundheitsthema zu etablieren und politische und gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen, um dieser Gefahr effektiv zu begegnen. Die Allianz möchte erreichen, dass der Klimawandel von einer kritischen Menge von Akteuren als wichtige Herausforderung für den Gesundheitssektor anerkannt wird,  dass Klimaschutz unter Priorisierung der damit verbundenen Gesundheitschancen im Gesundheitswesen umgesetzt wird und dass der Gesundheitssektor Führung und Verantwortung übernimmt in der gesamtgesellschaftlichen Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft.

    Die Health and Environment Alliance (HEAL) ist die federführende Nichtregierungsorganisation zum Thema Gesundheitsauswirkungen von Umweltverschmutzung in der Europäischen Union (EU) und auf globaler Ebene. HEAL setzt sich für Gesetze und politische Strategien ein, die die Gesundheit der Menschen und unseres Planeten fördern und die am stärksten von Umweltverschmutzung Betroffenen schützen. Außerdem möchten wir das Bewusstsein für die Gesundheitsvorteile von Umweltmaßnahmen für die Gesundheit schärfen. Zu den über 70 Mitgliedsorganisationen von HEAL gehören internationale, europäische, nationale und lokale Gruppen von Gesundheitsfachkräften, gemeinnützige Krankenversicherer, Patienten-, Bürger-, Frauen-, Jugendorganisationen und UmweltexpertInnen. HEAL vertritt mehr als 200 Millionen Menschen in den 53 Ländern der WHO Europa-Region. Als Allianz bringt HEAL wissenschaftliche und unabhängige Expertise in EU- und globale Entscheidungsprozesse ein, mit dem Ziel der Krankheitsprävention, und einer giftfreien, CO2-armen, gerechten und gesunden Zukunft. HEALs EU-Transparenz-Registernummer: 00723343929-96

     

    Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG)
    Schwedenstr. 15a, D-13357 Berlin, Tel: +49 (0)1522_1971 906 | e-mail: kontakt@klimawandel-gesundheit.de | test.klimawandel-gesundheit.de/

    Health and Environment Alliance (HEAL)
    28 Boulevard Charlemagne, B-1000 Brussels, Tel: +32 2 234 3640 | fax: +32 2 234 3649 | e-mail: info@env-health.org | www.env-health.org

     

  • Lungenärzt:innen fordern gesellschaftliches Umdenken in Sachen Luftverschmutzung

    Am 27.11. veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) ihr Positionspapier Atmen: Luftschadstoffe und Gesundheit (50 Seiten), an dem 9 ausgewiesene Experten mitgewirkt haben. Die Luftverschmutzung ist nach der WHO das größte umweltbedingte Risiko für die Gesundheit. Die Feinstaubbelastung durch Landwirtschaft, Industrie und Verkehr führe zu 600 000 verlorenen Lebensjahren für die deutsche Bevölkerung. „Selbst wenn die gemessenen Effekte relativ klein seien, haben wir es doch mit einem enormen Gesundheitsproblem zu tun, das praktisch jeden einzelnen Bürger betrifft und dem sich niemand entziehen kann“ (so einer der Autoren). Bei Grenzwerten für Luftschadstoffe, wie sie die WHO empfiehlt – welche für Feinstaub nur halb so hoch sind wie die in der EU gültigen – könnte Studien zufolge jede(r) Stadtbewohner:in im Durchschnitt 6 Monate länger leben.

    Die DGP sieht vorrangig die Regierungen von Bund, Ländern und Kommunen in der Pflicht, Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität zu ergreifen. Aber nötig sei auch ein gesellschaftliches Umdenken in Politik, Industrie und der Bevölkerung, um eine Kultur der Schadstoffvermeidung zu entwickeln.

    Als Maßnahmen werden genannt: Die Förderung alternativer Mobilität zum PKW wie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Schaffung der Voraussetzungen für eine umfassende Fahrradmobilität, die Förderung von Elektromobilität und Carsharing-Modellen und „durchaus auch Fahrverbote“. Investitionen in die Entwicklung „sauberer“ Technologien für Energieproduktion, Industrie und Landwirtschaft. Auch die Bürgerinnen und Bürger müssten die Nachfrage und den Bedarf an modernen Technologien klar signalisieren und so den Gesamtprozess positiv beeinflussen. Die Änderung unseres Mobilitätsverhaltens sei ein Schlüsselfaktor zur Reduktion der Schadstoffbelastung.

    Das Positionspapier ist wohl die wissenschaftliche Expertise zum Thema Luftschadstoffe in Deutschland. Es geht auf die diversen Luftschadstoffe, deren – soweit bekannten – Wirkungsmechanismen und Folgen für die einzelnen Organsysteme ein.

    Die genannten Maßnahmen dienen gleichzeitig auch dem Klimaschutz – sind also von doppeltem Vorteil.

    Zum Weiterlesen:

    Pressemitteilung der DGP vom 27. November 2018 (PDF)

    Atmen: Luftschadstoffe und Gesundheit – Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) (AutorInnen: Holger Schulz, Stefan Karrasch, Georg Bölke, Josef Cyrys, Claudia Hornberg, Regina Pickford, Alexandra Schneider, Christian Witt, Barbara Hoffmann)

    Damian Carrington: Air pollution: everything you should know about a public health emergency. The Guardian, 5.11.2018.

  • Umweltbundesamt: Klimaschutzmaßnahmen lassen viele Milliarden Euro Einsparungen durch geringere Umwelt- und Gesundheitsschäden erwarten

    Das Umweltbundesamt hat am 20.11.2018 seine Aktualisierung der Methodenkonvention zur Ermittlung der Umweltkosten mit Schwerpunkt Treibhausgase, Luftschadstoffe, Lärm Verkehr und Energie veröffentlicht. Sie enthält auch differenzierte Berechnungen der Gesundheitskosten von Luftverschmutzung und Verkehrslärm, Klimaschadenskosten sowie einige Daten zu Kosten im Gesundheitssystem. Danach verursache zum Beispiel die Emission einer Tonne Kohlendioxid (CO2) Schäden von rund 180 Euro. Umgerechnet auf die Treibhausgasemissionen Deutschlands 2016 entspräche dies Gesamtkosten von rund 164 Mrd. Euro.

    Allein die Gesundheitskosten der Kohlekraft (ohne Umweltschäden) werden einer Studie von HEAL u.a. (2016) zufolge in der EU zwischen 32,4 und 62,3 Mrd. Euro pro Jahr angegeben. Für Deutschland lägen die Gesundheitskosten der Kohle zwischen 5,5 bis 10.5 Mrd. Euro.

    Im August 2018 hatte eine im Auftrag von Greenpeace erstellte Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) „Was Braunkohlestrom wirklich kostet“ die externen Kosten der Braunkohleverstromung für Deutschland auf 26,3 Mrd. Euro pro Jahr berechnet, wenn die Kosten für Treibhausgase (Klimaschäden) und Luftschadstoffe (Gesundheit) mit einbezogen werden. Würden diese Kosten durch eine von der Gesellschaft zu tragende „Braunkohleumlage“ abgedeckt, würde deren Höhe bei etwa 7,9 cts/kWh liegen (FÖS 2018) liegen. Die FÖS Studie hatte ihren Berechnungen bereits die neuen Zahlen des UBA zugrunde gelegt.

    Mehr zu den Gesundheitsschäden und Gesundheitskosten auch in der Faktensammlung „Kohlenutzung und Gesundheit“ der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit.

    Quellen:

    Umweltbundesamt (Pressemitteilung vom 20.11.2018): Hohe Kosten durch unterlassenen Umweltschutz.

    Health and Environment Alliance (HEAL) u.a. (2016): „Europe’s dark cloud. How coal-burning countries are making their neighbours sick.“ (PDF)

    Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS): Studie Braunkohleverstromung.

    Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit: Faktensammlung „Kohlenutzung und Gesundheit“

  • Last Gasp Studie: Kohlekraftwerke verursachen jährlich 22 Milliarden Euro Gesundheitskosten in EU

    Am 20.11. hat ein europäisches Bündnis den „Last Gasp“-Bericht („letzter Atemzug“) veröffentlicht. In diesem Bericht werden die Folgen der Luftverschmutzung, ihre gesundheitliche Belastung und die damit verbundenen Gesundheitskosten der Kohlekraftwerke in der EU bemessen. Der Bericht modelliert erstmals die Auswirkungen und Kosten pro Unternehmen.
    Der Bericht modelliert auf Basis der jüngster Emissions- und Wetterdaten die Gesundheitsschäden einzelner Kraftwerke und ihrer Betreiber. Methodisch stützt er sich auf Modelle, die auch die WHO und die Europäische Umweltagentur anwendet. Der Bericht nennt 8 Empfehlungen für Regierungen und Unternehmen.
    Der Bericht bezifferte die den Kohlekraftwerke in der EU zurechenbaren Gesundheitskosten (Krankheitskosten, Arbeitsausfall) auf mindestens 22 Mrd. Euro pro Jahr (nur Feinstaub, Schwefeldoxid und Stickstoffdioxid berücksichtigt) oder auf durchschnittlich 56 Euro pro Megawattstunde Kohlestrom. Das entspricht etwa dem Großhandelspreis für die gleiche Strommenge. Dabei entfallen zwei Drittel dieser Kosten auf die 10 größten Kohlekraftwerke, vier davon allein in Deutschland. 
    Erstellt wurde der Bericht von Europe Beyond Coal, Sandbag UK, CAN Europe, Greenpeace und dem Europäischen Umweltbüro (EEB) mit Input von anderen Organisationen, führenden Forschern im Bereich Luftqualität/Kohle/Gesundheit. Er ist ein update des früheren Berichts Europe’s Dark Cloud (2016) zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Kohlekraft in Europa.

    Quellen:

  • Luftverschmutzung: Alles was man über eine Krise der Öffentlichen Gesundheit wissen sollte

    Luftverschmutzung ist ein „stiller Tod“ (WHO) und eine bislang wohl unterschätzte Ursache von Krankheit und vorzeitigem Tod. Wesentliche Ursache ist die Verbrennung fossiler Brennstoffe bei der Kohleverstromung, der Wärmeerzeugung in der Industrie und Haushalten und im Verkehr, die zugleich auch der Treiber des Klimawandels ist. Die Auswirkungen der Luftverschmutzung, die zu weltweit 7 Millionen vorzeitigen Todesfällen führt und global die Lebenserwartung um etwa 2 Jahre verkürzt, erfährt zunehmend Beachtung in der Fachwelt wie der Öffentlichkeit. Neun von 10 Menschen weltweit sind von ihr betroffen. Nach dem bahnbrechenden Bericht der Lancet Commission on Pollution and Health (2017), hielt auch die WHO am 30. Oktober und 1. November in Genf ihre erste globale Konferenz zu Luftverschmutzung und Gesundheit („First Global Conference on Air Pollution and Health„) ab. Immer mehr Studien legen inzwischen nahe, dass die Luftverschmutzung sich auf mehr Krankheiten auswirkt und gravierendere Folgen hat als bisher angenommen. Kaum ein Organsystem ist davon ausgenommen. In der Gesundheits-, Klima- und Verkehrspolitik in Deutschland werden aber die gesundheitlichen Gefahren der Luftverschmutzung und der Nutzen vieler Klimaschutzmaßnahmen für eine bessere Luft immer noch zu wenig berücksichtigt. Das zeigt sich nicht zuletzt an zu hohen Grenzwerten für Luftschadstoffe, die zudem oft nicht eingehalten werden. Der Guardian brachte am 5.11.2018 unter dem Titel „Air pollution: everything you should know about a public health emergency“ einen Beitrag, der den Stand der Erkenntnis für Laien gut und verständlich zusammenfasst.

    Zum Weiterlesen:

    Damian Carrington: Air pollution: everything you should know about a public health emergency. The Guardian, 5.11.2018.